Gewalt in der Beziehung: Wenn der Partner schlägt, wo finde ich Hilfe?

Es ist eines der dramatischsten Probleme in der Partnerschaft, wenn der Mann seiner Frau Gewalt antut. Er verletzt sie ja nicht nur körperlich, sondern ganz besonders seelisch – oft mit verheerenden psychischen Folgen. Darum ist es so wichtig, dass sie diesem Treiben endlich ein Ende setzt, nach sicherlich unzähligem Verzeihen Schluss macht und ihn verlässt!


Dieser Schritt verlangt jeder Frau große Kraft ab. Sie weiß meistens schon längst, dass sie nicht bleiben kann und nicht bleiben darf! Vor allem dann nicht, wenn es Kinder gibt, die diese Katastrophen miterleben bzw. selbst Gewalt erleiden müssen. Man mag es nicht glauben, aber tatsächlich haben eingehende Untersuchungen ergeben, dass jede vierte Frau körperliche Gewalt erlebt, sich aber nicht dagegen wehrt bzw. nicht ihre Sachen packt und ihn verlässt. Stattdessen werden die blauen Flecken mit stark deckendem Make-up abgedeckt und offene Wunden mit Pflastern versehen. Fragt jemand nach, was denn passiert sei, wird das mit Ungeschicklichkeiten „erklärt“. Die Frau verlässt ihren Mann nicht, obwohl sie innerlich weiß, dass er es wieder tun wird.


Es gibt viele Gründe, warum sie nicht die Kraft für diesen Schritt aufbringt:


1. Angst vor dem Alleinsein.

2. Existenzängste. Wenn sie nicht arbeitet, über kein Geld verfügt, ist die Sorge, wie es weitergehen soll, riesig!

3. Wo soll sie hin?

4. Was soll sie der Familie und den Freunden sagen? Fälschlicherweise ist es ihr peinlich zuzugeben, vom Partner geschlagen zu werden.

5. Was wollen die Kinder?

6. Angst vor weiteren Gewalttätigkeiten: Dass er die Drohungen, die er angekündigt hat, falls sie geht, wahrmacht.

7. Häufig glauben viele Frauen sogar, sie seien selbst Schuld und suchen den Fehler bei sich. Darum fällt sie immer wieder auf seine Versprechungen und die reumütigen Entschuldigungen herein, die sie ihm sogar glaubt: „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Wie konnte ich nur, wo ich dich doch so sehr liebe? Verzeih mir bitte noch ein einziges Mal. Gib mir noch einmal die Chance, dir zu beweisen, dass es mir diesmal ernst ist. Ich schwöre dir bei meinem Leben, nie wieder werde ich meine Hand gegen dich erheben!“ Manchen Männern gelingt es sogar, in ihrem Selbstmitleid ein paar Tränen zu vergießen. Glaubt ihnen nicht!


Bereitet euch auf die Stunde X vor. Sucht euch aus dem Internet ein Frauenhaus in eurer Nähe heraus und nehmt schon mal vorsorglich Kontakt auf. Dort wird man euch helfen, Kontakte zu den Behörden aufzunehmen. Man sagt euch auch, was ihr tun sollt, falls ihr plötzlich ganz schnell kommen müsst. Hier lernt ihr Frauen mit gleichem Schicksal kennen, die sich gegenseitig stützen und helfen und oft sogar gute Freundinnen werden.


Auch die Caritas (http://www.caritas.de/startseite) oder die Arbeiterwohlfahrt (http://www.awo.org/awo-startseite.html) hat Beratungsstellen mit erfahrenen Mitarbeitern, die betroffenen Frauen gerne helfen und zur Verfügung stehen.


Packt schon mal eine Reisetasche mit dem Nötigsten, damit ihr jederzeit aus dem Haus flüchten könnt. Viele Frauen scheuen sich, die Polizei zu rufen bzw. ihren Partner anzuzeigen. Auch aus Angst, man würde ihnen nicht glauben. Damit man euch aber sofort glaubt, was ihr durchleidet, schreibt ein geheimes Tagebuch mit allen Einzelheiten eures Martyriums. Sich im Nachhinein an alles zu erinnern, ist sehr schwer. Verwahrt es nur ganz sicher!


Vertraut euch eurer besten Freundin an und sagt ihr, was ihr alles durchmacht. Sie kann später auch als Zeugin für die Polizei hilfreich sein. Sichert Beweise, indem ihr sofort aufschreibt, wenn wieder etwas passiert ist und geht zum Arzt. Der wird euch untersuchen, die Verletzungen attestieren und fotografieren. Diese Unterlagen sind  später überaus wichtig.


Ohne polizeilichen Schutz ist es nicht ratsam, zu Familienangehörigen oder Freunden zu flüchten, denn der verlassene Mann wird seine Partnerin dort zuerst suchen. Nachher geraten dadurch noch andere in Gefahr. Es sei denn, er kennt die Freunde nicht. Dann wäre es gut, wenn ihr einen Schlüssel zu ihrer/seiner Wohnung und auf jeden Fall einen schnellen Zufluchtsort hättet.


Wenn ihr zu Hause Gewalt erlebt, habt ihr wirklich den verkehrten Partner, denn ein Mann, der seinen Ärger nicht in den Griff bekommt und eine Frau schlägt, kann kein akzeptabler Lebenspartner sein! Aber das wisst ihr ja schon selbst…


Ich wünsche euch eine sanfte, sonnige Woche,


Nanny Oehmichen


Nächste Woche schreibe ich zum Thema: „Mein Kind lügt! Wie gewöhne ich ihm das ab?“



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