Wenn unsere lieben Kleinen anfangen, zu reden, haben sie schon ganz schnell raus, dass man auch ganz leicht etwas anderes sagen kann, als man sollte. Das sind aber nur Phantasien, Spielchen und Spaß. Das hat mit Lügen nichts zu tun.
Was ist überhaupt lügen? Lügt der, der angibt und übertreibt? Lügt die, die sich eine Geschichte ausdenkt und behauptet, sie sei wahr? Oder lügt der, der nicht will, dass z.B. sein Missgeschick herauskommt und sich rausredet?
Lügen gehört zur Entwicklung der Moral eines Kindes dazu. Und die beginnt schon mit etwa drei Jahren. Unsere kleinen Lieblinge sind da schon ganz schön gewitzt, aber da ist es nur die Vermischung von Phantasie und Wirklichkeit. Dabei testen sie aus, wie weit sie gehen können, was richtig und falsch ist.
Für die Eltern ist es jetzt wichtig, dem Kind zu sagen: „Das stimmt aber nicht“ oder „Das kann aber gar nicht sein. Irrst du dich da nicht?“ Aber bitte ganz unaufgeregt und freundlich. Macht dem Kind bitte keine harten Vorwürfe, schimpft nicht laut, schreit es nicht an, sondern sagt z.B.: „Das hätte ich ja nicht von dir gedacht. Jetzt hast du mich aber sehr enttäuscht.“ Auch wenn Lügen das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern belastet, es darf nie angekratzt oder verletzt werden! Eine Lüge darf nicht das Ende des Vertrauens sein!
Unsere Kinder sollen mit der Gewissheit leben, dass die Eltern sie immer noch lieb haben, auch wenn sie einmal unehrlich waren. Darum ist es so wichtig, dem Kind immer wieder bewusst zu machen, dass es doch gar nicht lügen muss und es viel leichter ist, die Wahrheit zu sagen, auch wenn es unangenehm ist, sich ein paar Vorwürfe bzw. Erklärungen anhören zu müssen. Das ist dann eben der Preis. Erklärt ihm entwicklungsgemäß immer wieder, dass ein schlechtes Gewissen nicht guttut und ein schlechter Lebensbegleiter ist.
Je jünger die Kinder sind, umso weniger können sie nachempfinden und begreifen, dass sie mit Lügen anderen Menschen oder sich selbst schaden. Im Einschulungsalter testen sie aus, wie weit man mit „Märchen“ gehen kann. Mit unschuldigstem Augenaufschlag schwören sie, die Wahrheit zu sagen und fragen noch frech: „Wieso glaubst du mir eigentlich nicht? Du bist ja so gemein!“ Da heißt es, immer wieder in aller Ruhe die Lügen oder Schwindeleien aufzudecken. Sagt eurem Kind, dass es sich nicht lohnt, die Unwahrheit zu sagen. Auch, wenn das Kind mit Wut und Tränen alles abstreitet.
Da könnt ihr auch schon mit moralischen Mitteln argumentieren, indem ihr sagt, dass ihr Lügen als unfair empfindet. Erzählt euren Kindern Geschichten von anderen, die immer gelogen haben und ihr das nie vergessen habt. Oder erzählt ihnen, wie peinlich es war, als eure (wenigen) Lügen aufgeflogen sind und wie sehr ihr darunter gelitten habt.
Die wichtigste Voraussetzung für die Erziehung zur Ehrlichkeit ist natürlich, dass ihr selbst nicht schwindelt oder lügt, bitte auch keine Notlügen.
Wie soll ich denn auf die Lügen meines Kindes reagieren? Wenn ihr euren Liebling erwischt habt, sagt ihm ganz locker und neutral, dass ihr ihm seine Geschichte nicht glaubt.
Mein siebenjähriger Neffe tischte seiner Mutter immer wieder die abenteuerlichsten Ausreden auf, warum er von der Schule nicht pünktlich zu Hause sein konnte. Sie hat es ihm abgewöhnt, indem sie wirklich freundlich meinte: „Gib doch zu, dass du getrödelt hast.“ Er empört: „Nein, ich habe einer Frau geholfen, ihre Einkäufe zu tragen!“ Bei weiteren Nachfragen konnte er natürlich nicht sagen, wo es war, wer die Frau war usw. „Wenn du zugibst, dass du getrödelt und geschwindelt hast, ist alles gut. Du hast es gar nicht nötig, zu schwindeln. Es passiert dir doch nichts. Hör also bitte damit auf.“ Natürlich gab es noch etliche Wiederholungen, aber allmählich freundete sich mein Neffe mit der Wahrheit an und war viel ausgeglichener. All diese Beispiele sind nichts Schlimmes, aber das Kind muss wissen, dass es mit seinen Unwahrheiten nicht durch- und weiterkommt.
Lügen sind wirklich nicht gleich Lügen und sie sollten darum auch nicht gleich bewertet werden. „Spinnerei“ oder „Flunkerei“ entstammen oft nur der Phantasie des Kindes. Meistens steckt keine böse Absicht dahinter. Es schwindelt, weil es glaubt, es gäbe keine Alternative. Bewusstes Lügen soll erreichen, die Wahrheit zu verbergen. Das darf man nicht durchgehen lassen. Am besten wenig Aufhebens deswegen machen, aber trotzdem klar sagen, dass es so nicht geht. Wenn ihr eurem Kind die Wahrheit jedes Mal ruhig und freundlich klarmacht, wird es mit dem Flunkern aufhören. Beschämen oder bestrafen ist keine gute Lösung. Setzt auf entspannte Vier-Augen-Gespräche. Die tragen mehr zur Moralentwicklung bei, als harte Vorwürfe, die das Kind demoralisieren.
Wie schon erwähnt, seid bitte selbst ein Vorbild! Vermeidet möglichst jede Unwahrheit, auch Notlügen, die schlimmstenfalls vielleicht sogar noch auffliegen. Dann kann es passieren, dass euer Kind die so wichtige Orientierung verliert. Daran sollten Eltern immer denken, um auch nicht den Respekt vor dem Kind zu verlieren.
Eine schwindelfreie Woche wünscht euch,
Nanny Oehmichen
Hat euch euer Kind schon einmal belogen? Wie habt ihr reagiert? Schreibt mir hier, ich freue mich darüber.
Nächste Woche verrate ich euch Tipps für eine romantische Low-Budget-Hochzeit.






Wissen 9-10 jährige Kinder, was "Lügen" ist? Ich stelle mir selbst diese Frage. Meine Tochter sagt manchmal zu mir z.B. , dass ich "gelogen" habe, wenn ich mein Wort aus irgendwelchem Grund nicht gehalten habe. Im Alltag kommt es oft vor, dass die Mama sagt, dass sie nach einem Termin mit den Kindern etwas unternehmen wird. Etwas ist dann zwischengekommen und der Plan ist leider geplatzt. Ist das "Lügen"? Ein Kind kann das als "Lüge" empfinden.
Im Grundschulalter nennen sich Kinder häufig gegenseitig "Lügner". Das finde ich sehr interessant. Ist jede Behauptung eines Kindes, die nicht stimmt, eine Lüge?
Meiner Meinung nach sollte man immer zuhören, was das Kind zu sagen hat. Egal, ob die Geschichte für einen Erwachsenen unglaublich oder phantasievoll sein kann.